Autismusambulanz

Kinderschutzbund Kerpen

Ambulante Teilhabeassistenz

Selbstständiger werden. Alltag meistern. Teilhaben.

Ein Hobby besuchen. Mit Bus und Bahn unterwegs sein. Freunde treffen. Einen Termin wahrnehmen. Veränderungen bewältigen. Mit Ängsten umgehen. Den eigenen Alltag strukturieren.

Was für andere selbstverständlich erscheint, kann für manche Kinder und Jugendliche eine große Herausforderung sein.

Unsere ambulante Teilhabeassistenz unterstützt Kinder und Jugendliche genau dort, wo sie im Alltag Hilfe benötigen – individuell, alltagsnah und mit dem Ziel, mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

So viel Unterstützung wie nötig. So viel Selbstständigkeit wie möglich.

Ein besonderer fachlicher Schwerpunkt liegt auf der Begleitung neurodivergenter Kinder und Jugendlicher – zum Beispiel bei Autismus, ADHS/ADS oder vergleichbaren neuroentwicklungsbezogenen Besonderheiten. Unterstützungsbedarfe können sich unter anderem in Kommunikation, sozialer Interaktion, Reizverarbeitung, Handlungsplanung, Selbstorganisation, emotionaler Regulation, dem Umgang mit Ängsten oder sozialer Teilhabe zeigen.

Was bedeutet ambulante Teilhabeassistenz?

Teilhabeassistenz bedeutet, ein Kind oder einen Jugendlichen im konkreten Lebensalltag zu begleiten und dabei zu unterstützen, eigene Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Die Unterstützung findet dort statt, wo Teilhabe tatsächlich passiert: zu Hause, im Wohnumfeld, bei Freizeitaktivitäten, auf Wegen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Terminen oder in Übergangssituationen.

Dabei geht es nicht darum, Dinge dauerhaft für das Kind zu übernehmen. Vielmehr möchten wir gemeinsam Möglichkeiten schaffen, damit Kinder und Jugendliche zunehmend mehr Sicherheit, Handlungskompetenz und Selbstständigkeit entwickeln können.

Wie kann das im Alltag aussehen?

„Mein Kind würde gerne alleine zum Sportverein fahren – schafft den Weg aber noch nicht.“

Wir können den Weg gemeinsam vorbereiten, Fahrpläne und Apps nutzen, die Strecke begleiten und schwierige Situationen unterwegs besprechen. Mit zunehmender Sicherheit kann sich die Unterstützung schrittweise reduzieren.

„Nach der Schule fällt es meinem Kind schwer, den Nachmittag zu strukturieren.“

Gemeinsam können Tagesabläufe entwickelt, Aufgaben sortiert, Pausen geplant und Freizeitaktivitäten vorbereitet werden. Hilfreich können zum Beispiel Checklisten, Visualisierungen oder konkrete Ablaufpläne sein.

„Mein Kind möchte gerne Freunde finden, ist in Gruppen aber sehr unsicher.“

Wir unterstützen dabei, Kontakte anzubahnen, soziale Situationen vorzubereiten und gemeinsam zu reflektieren. Dabei kann es beispielsweise darum gehen, eigene Bedürfnisse auszudrücken, Grenzen zu setzen, Konflikte einzuordnen oder Sicherheit in Gruppen zu gewinnen.

„Mein Kind hat soziale Ängste oder große Angst vor neuen Situationen und dem Kontakt mit anderen Kindern.“

Gemeinsam können belastende Situationen vorbereitet, in kleinen Schritten eingeübt und anschließend reflektiert werden. Ziel ist es, Sicherheit zu gewinnen und Teilhabe zu ermöglichen – immer im Tempo des Kindes.

„Mein Kind hat Schulangst oder vermeidet den Schulbesuch.“

Gemeinsam schauen wir, welche Situationen belastend sind, entwickeln Strategien, die Sicherheit geben, und begleiten das Kind dabei, schrittweise wieder mehr Teilhabe am Schulalltag zu ermöglichen. Dabei arbeiten wir eng an den individuellen Zielen des Kindes und stimmen unser Vorgehen – wenn sinnvoll – mit Eltern, Schule oder weiteren Beteiligten ab.

„Veränderungen führen schnell zu Überforderung.“

Gerade neurodivergente Kinder und Jugendliche erleben Übergänge, unvorhergesehene Situationen oder reizintensive Umgebungen manchmal als besonders belastend. Wir können gemeinsam Strategien entwickeln, um Veränderungen frühzeitig vorzubereiten, Belastungssignale wahrzunehmen und Möglichkeiten zur Regulation zu finden.

„Mein Jugendlicher soll zunehmend selbstständig Termine wahrnehmen.“

Wir können dabei unterstützen, Termine vorzubereiten, Wege zu planen, Zeiten im Blick zu behalten und notwendige Schritte selbstständig zu organisieren.

„Mein Kind zieht sich immer mehr zurück.“

Gemeinsam können passende Freizeitangebote oder soziale Aktivitäten im Umfeld gesucht, vorbereitet und zunächst begleitet werden – zum Beispiel ein Sportverein, ein Jugendtreff, ein kreatives Angebot oder eine andere Freizeitaktivität.

Neurodivergenz verstehen

Menschen nehmen ihre Umwelt unterschiedlich wahr, verarbeiten Informationen unterschiedlich und entwickeln unterschiedliche Wege, mit Anforderungen umzugehen. Der Begriff Neurodivergenz beschreibt neurologische Entwicklungsformen, die von dem abweichen können, was gesellschaftlich häufig als „typisch“ angesehen wird. Dazu können beispielsweise Autismus, ADHS oder ADS gehören.

Wir betrachten Neurodivergenz nicht ausschließlich unter dem Blickwinkel von Schwierigkeiten oder Defiziten. Uns interessiert vielmehr:

Was braucht dieses Kind oder dieser Jugendliche, um sich sicherer zu fühlen, eigene Stärken nutzen zu können und möglichst selbstbestimmt am Alltag teilzunehmen?

Unterstützungsbedarfe entstehen häufig im Zusammenspiel zwischen individuellen Besonderheiten und den Anforderungen der jeweiligen Umwelt. Deshalb schauen wir nicht nur auf das Kind, sondern auch darauf, wie Situationen verständlicher, planbarer und bewältigbarer gestaltet werden können.

Unsere Unterstützung kann zum Beispiel ansetzen bei

  • Tagesstruktur und Organisation
  • Planung von Handlungsabläufen
  • Übergängen und Veränderungen
  • Reizverarbeitung und Überforderung
  • emotionaler Regulation
  • Umgang mit Ängsten (z. B. Schulangst oder soziale Ängste)
  • Kommunikation
  • sozialen Kontakten und Freundschaften
  • Konflikten und Grenzsetzung
  • Freizeitgestaltung
  • Nutzung des Sozialraums
  • Mobilität und öffentlichem Nahverkehr
  • Vorbereitung und Wahrnehmung von Terminen
  • zunehmender Verselbstständigung

Dabei orientieren wir uns immer am individuellen Entwicklungsstand, den persönlichen Stärken, Interessen und Bedürfnissen des Kindes oder Jugendlichen.

Dabei sein – ohne dauerhaft abhängig zu machen

Manchmal braucht ein Kind zunächst eine Person, die begleitet, erklärt, strukturiert oder auch einzelne Schritte übernimmt. Unser Ziel ist jedoch nicht, diese Unterstützung dauerhaft aufrechtzuerhalten. Wo immer es möglich ist, wird die Assistenz schrittweise zurückgenommen.

Aus „Wir machen es gemeinsam“ soll möglichst irgendwann „Ich kann es selbst“ werden.

Was bedeutet das für Eltern?

Wenn Kinder und Jugendliche selbstständiger werden, verändert sich häufig auch der Familienalltag. Vielleicht muss nicht mehr jeder Weg von den Eltern begleitet werden. Vielleicht gelingt ein Termin zunehmend eigenständig. Vielleicht wird es möglich, ein Freizeitangebot zu besuchen, ohne dass ein Elternteil dauerhaft dabei sein muss. Vielleicht können Konflikte oder Überforderungssituationen früher erkannt und besser bewältigt werden.

Die ambulante Teilhabeassistenz ist dabei keine allgemeine Familienhilfe und keine klassische Kinderbetreuung. Im Mittelpunkt steht immer das Kind oder der Jugendliche und die Frage, welche Unterstützung für seine individuelle Teilhabe erforderlich ist.

Eltern und andere Bezugspersonen können einbezogen werden, wenn dies für die Unterstützung des Kindes sinnvoll ist – beispielsweise bei der Abstimmung von Routinen, Kommunikationsformen oder Strategien für konkrete Alltagssituationen.

Für wen ist die ambulante Teilhabeassistenz gedacht?

Unser Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die Unterstützung benötigen, um ihren Alltag möglichst selbstständig und selbstbestimmt gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Ein besonderer fachlicher Schwerpunkt liegt auf Kindern und Jugendlichen mit neurodivergenten Entwicklungsprofilen, insbesondere bei:

Autismus-Spektrum

Zum Beispiel bei besonderen Bedürfnissen in Kommunikation, sozialer Interaktion, Reizverarbeitung, Orientierung oder Übergängen.

ADHS / ADS

Zum Beispiel bei Unterstützungsbedarf in Aufmerksamkeit, Impulssteuerung, Selbstorganisation, Planung und Regulation.

Kombinierten oder vergleichbaren neurodivergenten Profilen

Wenn unterschiedliche Unterstützungsbedarfe zusammenkommen.

Nicht die Diagnose allein entscheidet. Entscheidend ist, welche Barrieren ein Kind oder Jugendlicher im konkreten Alltag erlebt und welche Unterstützung dabei helfen kann, diese zu überwinden.

 

Wie kann die ambulante Teilhabeassistenz in Anspruch genommen werden?

Über das Jugendamt

Bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen kann die ambulante Teilhabeassistenz als Leistung der Eingliederungshilfe über das zuständige Jugendamt finanziert werden. Im Rahmen der Hilfeplanung wird gemeinsam betrachtet, welcher Unterstützungsbedarf besteht, welche Ziele erreicht werden sollen, in welchen Alltagssituationen Unterstützung notwendig ist und in welchem Umfang die Leistung erfolgen soll.

Für Kinder und Jugendliche kann die Leistung insbesondere im Rahmen der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII erfolgen. Die konkrete Entscheidung über eine Bewilligung trifft das zuständige Jugendamt auf Grundlage der individuellen Bedarfslage und der Hilfeplanung.

Sie wissen nicht, ob eine Unterstützung über das Jugendamt für Ihr Kind infrage kommt?

Sprechen Sie uns gerne an. Wir erklären Ihnen unser Angebot und erläutern, wie eine ambulante Teilhabeassistenz grundsätzlich aussehen kann.

Als Selbstzahlerleistung

Unsere Unterstützung kann auch privat als Selbstzahlerleistung in Anspruch genommen werden. Das kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn Sie sich für Ihr Kind gezielt Unterstützung in einem bestimmten Lebensbereich wünschen und die Leistung unabhängig von einer Bewilligung durch das Jugendamt nutzen möchten.

Dabei kann es beispielsweise um einen überschaubaren und konkreten Unterstützungsauftrag gehen:

  • „Mein Kind soll lernen, alleine mit dem Bus zu fahren.“
  • „Mein Jugendlicher braucht Unterstützung dabei, seine Freizeit selbstständiger zu gestalten.“
  • „Wir möchten schwierige Übergänge im Alltag gezielt einüben.“
  • „Mein Kind braucht Unterstützung, um angstbesetzte Situationen in kleinen Schritten zu bewältigen.“
  • „Mein Kind möchte gerne ein Freizeitangebot besuchen und benötigt zunächst Begleitung.“

Gemeinsam besprechen wir, welches Ziel erreicht werden soll und welche Form der Unterstützung dafür sinnvoll ist.

Unser Ansatz

Wir schauen nicht zuerst darauf, was ein Kind nicht kann.

  • Was bereits gelingt
  • Wo Barrieren entstehen
  • Welche Unterstützung dabei helfen kann, den nächsten Schritt selbst zu schaffen

Begleiten. Befähigen. Sicherheit geben. Selbstständigkeit wachsen lassen.

Anita van Dijk – Leitung Koordination
Tel.: 02273 – 951 07 85
Mobil: 01525 4101767
Mail: vandijk@kinderschutzbund-kerpen.de